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Näytetään tekstit, joissa on tunniste finnischer faschismus. Näytä kaikki tekstit
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lauantai 18. toukokuuta 2019

Wie mir die Wahren Finnen meine Karriere in finnischen Medien versauten

Vor beinahe sechs Jahren habe ich meinen Zweitjob als Online-Feuilletonist verloren, und seitdem habe ich keinen einzigen Artikel in finnischen Medien veröffentlichen können. Inzwischen haben mich wohl auch die meisten finnischen Medienkonsumenten vergessen. Jetzt will ich schildern, wie die Partei der Wahren Finnen (eigentlich heisst es "Basisfinnen" auf Finnisch, und jetzt wollen sie in allen anderen Sprachen als Finnisch und Schwedisch nur die Partei der "Finnen" heissen, aber das werde ich ihnen nicht gönnen) mir meine Medienkarriere versaut haben, aber hierbei ist es wichtig zu erinnern, dass ich es schon hätte dulden können, hätte nicht die Medienplattform, für die ich arbeitete, mir den Arbeitsschutz praktisch weggenommen, als es die Anhänger dieser Partei waren, die mich verfolgten.



Im Frühjahr 2006 nahm eine mittelgrosse Medienfirma Kontakt mit mir auf. Die Firma hatte ein Webportal von einiger Mediensichtbarkeit neulich erworben und suchte nach neuen Feuilletonisten und Blogautoren (ein paar Jahre später wurde die Firma von einem grösseren Medienkonzern übernommen). Damals hatte ich einige Aufmerksamkeit und sogar Ärger erweckt, indem ich antifeministische Provokationen im vorliegenden Blog veröffentlicht hatte.

Die antifeministischen Provokationen waren eine Spätfolge zweier äusserst traumatisierenden Liebesgeschichten (die erste Mitte der Neunzigerjahre, die zweite ein paar Jahre nach der Jahrtausendwende erlebt, und in beiden Fällen hatte ich eine Bewunderin gewonnen, die mich zunächst mit Fanmail überschüttet hatte, um sich dann plötzlich gegen mich zu wenden und mich zu hassen). Ich wurde sogar von einer Papierzeitung als "der Sprachwissenschaftler mit dem Streithammelblog" interviewt.

Ich war damals eher bitter darüber, dass mein Sprachaktivismus - mein Status als der Finne, der die irische Sprache zu fördern suchte - in Finnland überhaupt keine Aufmerksamkeit erregt hatte, obwohl ich in irischen Medien durchaus sichtbar geworden war. (Es muss zwar zugegeben werden, dass der Finnische Rundfunk interessiert wurde, als ich im Frühjahr 2004 auf einer Demonstration in Dublin mit einer Rede auf Irisch aufgetreten bin, aber obwohl ich willens war, mich im Rundfunk interviewen zu lassen, führte der Kontakt zu nichts Konkretem.) Als ich aber als der grösste Weiberhasser der Republik bekannt wurde, konnte ich gleich anfangen, Feuilletons gegen Bezahlung zu schreiben.

Aber warum nicht. Wenn mir ein Arbeitsplatz geboten wurde, war ich natürlich bereit, ihn zu akzeptieren. Ende der Neunzigerjahre konnte ich keine Stipendien mehr kriegen, weshalb ich dann angefangen hatte, als Übersetzer zu jobben. Ich bildete mir ein, dass ich so meine Doktorarbeit finanzieren könnte, die unter allen Umständen ins Stocken geraten war; ähnliche Gedanken hegte ich, als ich begann, meine Online-Feuilletons zu schreiben. Eigentlich verlor ich da die letzte Chance, eine richtige akademische Karriere zu haben, weil ich nicht nur eine tägliche Arbeit hatte, sondern auch alle Abende Meinungsjournalismus betreiben musste.

Ich muss aber sagen, dass es mich eigentlich nicht besonders grämt, denn ich hatte das Interesse an meinem Forschungsgegenstand weitgehend verloren (es ist nur in den letzten paar Jahren wieder entflammt) und mich eher auf das Studium und die Wiederbelebung der irischen Sprache konzentriert, was in Finnland kaum in akademische Grade umzusetzen ist. Dagegen war es mir lästig, dass ich mich nicht meinem damaligen Job als Sprachforscher bei einem privaten Unternehmen völlig widmen konnte, denn hätte ich mich auch abends mit den Sachen beschäftigt, die zu dieser Arbeit gehörten, würde ich jetzt zwei oder drei Sprachen sprechen, deren Lernbarkeit mir früher nicht einmal eingefallen war.

Ab und zu schrieb ich auch feminismuskritische Einträge, aber, altmodisch kulturpatriotisch erzogen wie ich bin, hatte ich viel mehr z.B. über unsere klassische Literatur zu sagen, wie etwa den Nationaldichter Johan Ludvig Runeberg oder den Prosaiker Zacharias Topelius. Wenn diese Namen im täglichen Journalismus erwähnt wurden, habe auch ich mich über sie geäussert. Schliesslich wurde ich rekrutiert, um Kommentar zu Aktuellem zu schreiben.


Im selben Jahr, als ich Feuilletons zu schreiben begann, ist meine Mutter gestorben. Sie war immer Anhängerin der altbewährten konservativen Partei Finnlands, und ich fühlte mich verpflichtet oder veranlasst, etwas von ihr und von ihrer Welt für die Zukunft zu bewahren, was mich dann dazu bewog, die von ihr vertretene traditionelle finnische Vaterlandsliebe aus einer verständnisvollen, analytischen Perspektive zu betrachten. Auch ich misstraute Russland, und was die Sowjetunion betrifft, habe ich versucht, die Leser über das zu unterrichten, was wir von sowjetischen Gefangenenlagern wissen, z. B. was frühere sowjetische Gulag-Sträflinge in ihren Erinnerungen berichtet haben.

Zuweilen habe ich auch notwendig gefunden, meine Meinung zu ändern, als ich mich besser über etwas informiert habe. Was zum Beispiel die NATO betrifft, habe ich mich zu ihr zunächst ebenso unreflektiert negativ verhalten wie die meisten Finnen, aber als ich mich veranlasst fühlte, einen pragmatischen Beitrag zur NATO-Debatte zu leisten, habe ich mich gezwungen gefühlt, eine vorsichtig positive Haltung einzunehmen. Dies wurde nicht von allen akzeptiert, denn Finnen sind meistens sozusagen automatisch gegen die NATO und erlauben es nicht, dass ihre Vorurteile bezweifelt werden.


Ich versuchte auch (zunächst instinktiv und später bewusst), die traditionelle finnische Vaterlandsliebe zu rehabilitieren. Ich habe auf den naiven Pazifismus des alten Zivis verzichtet und bin dazu übergegangen, hervorzuheben, dass man in der Tat gleichzeitig z.B. sowohl Natur- und Wehrfreund sein konnte. Meine Grossmutter, die persönlich sowohl den Bürgerkrieg des Jahres 1918 wie auch den Winterkrieg gegen die Sowjetunion 1939-1940 erlebt hatte, hatte immer, mit Tränen in den Augen, betont, wie wirklich und lebendig der "Geist des Winterkrieges", die Versöhnung früherer Feinde angesichts des Feindes, den Zeitgenossen vorgekommen war. Ich begann, es als meine Mission zu betrachten, den Geist des Winterkrieges wiederzubeleben und die Reste des alten Gegeneinanders endlich zu begraben.

Anfang des neuen Jahrtausends hatte ich es nämlich mehrmals erlebt, dass jene Vaterlandsfreunde von älteren Generationen, denen ich zuweilen auf Online-Diskussionsforen begegnete, keineswegs ausnahmslos wahnsinnige Nazisten waren. Mit einigen bin ich eigentlich ausgezeichnet zurechtgekommen, besonders als sie herausfanden, dass ich nach meinen Studien in Polonistik und Russizistik einiges von den kommunistischen Gräueltaten in der Sowjetunion und in Osteuropa wusste und sie nicht zu verleugnen suchte. Ich begann zu glauben, dass viele Leute von dieser Sorte durchaus im Mainstream der Gesellschaft willkommengeheissen, ihre Ansichten ernstgenommen werden könnten.

Am Anfang hatte ich auch Erfolg. Als ich z. B. zu der Diskussion über die Massengräber in Huhtiniemi Stellung nahm (damals konnte finnische Geschichte noch in der Öffentlichkeit besprochen werden), wurde ich für einen Text gelobt, in dem ich Versöhnung stiften wollte - es lobte mich sogar ein Teil derjenigen, die sonst beinahe alle anderen Stalinisten zu nennen bereit waren. Es kam vor, als wäre mir gelungen, die alten Wunden zu heilen.


Dann aber wurde der Kommentarkasten unter meinem Blog von der neuen Generation der Rechtsextremisten okkupiert. Diese meinten, dass ich irgendwie verpflichtet wäre, mir alle Positionen der extremen Rechten restlos und ohne Ausnahme zu eigen zu machen, nur weil ich dem Feminismus kritisch gegenüberstand, das Wort Vaterlandsliebe ohne Ironie verwendete und etwas von klassischer finnischer Literatur wusste (weil es bei uns zu Hause schon immer eine natürliche Sache war). Den Rassismus akzeptierte ich überhaupt nicht, und das hat diese Leute einfach wütend gemacht. Schliesslich füllte sich der Kommentarkasten mit beinahe religiösen Huldigungsreden an den Führer der finnischen extremen Rechten und mit persönlichen Angriffen auf mich, ganz unabhängig davon, über was ich schrieb - ob es nun zum Beispiel alte finnische Fernsehserien waren, die mich zu meinem letzten Blog-Feuilleton inspiriert hatten.

Bezeichnenderweise haben mich die Vorgesetzten nie gegen die rechtsextrem inspirierten Angriffe verteidigt, eher ist es mir vorgekommen, dass sie mich mitverantwortlich fanden. Der Eindruck war, dass die Vorgesetzten eine Seite gewählt hatten, die nicht die meine war. Als ich zum erstenmal ein Feuilleton schrieb, das die extreme Rechte kritisierte, hat sich mein Kommentarkasten in ein paar Stunden mit dreihundert verärgerten Gegenstimmen gefüllt. Als ich dann den Kasten für weitere Kommentare gesperrt habe, ist da noch eine rechtsextremistische Stellungnahme aufgetaucht, was Anlass ist zu vermuten, dass die extreme Rechte auch unter den Vorgesetzten einen Infiltranten hatte.

Als es z. B. die FeministInnen waren, die Druck gegen die Firma ausübten, um mich kündigen zu lassen, haben mich die Vorgesetzten loyal unterstützt. Als es aber die Rechtsextremisten waren, haben die Vorgesetzten mich beschuldigt. Und am Ende wurde ich auch gekündigt, aber erst als die Schikanen und der Terror mich so ermüdigt hatten, dass ich nicht mehr die ersehnte Qualität aufrechterhalten konnte. 


Natürlich haben auch die putinistischen Trolls eine Rolle gespielt. Dass die Auferstehung der extremen Rechten auf russischem Einfluss beruht, habe ich schon lange geahnt, bevor es allgemein akzeptiert wurde. Als ich das Russland Putins in polemischem Ton, aber mit Sachgründen kritisiert habe, haben die Trolls im Kommentarkasten verkündet, dass ich "schwedischgesinnt" sei und deshalb einen "rassistischen Hass auf Russen" hegte. Es war klar, dass diese Trolls kaum von den rechtsextremistischen zu unterscheiden waren, denn Rassismus, Hass auf Muslims und Putinversteherei sind nicht selten im selben Kommentar vorgekommen, ganz zu schweigen vom Hass auf die schwedische Sprache.

Das alles steht in Zusammenhang mit einer Episode, die ein bisschen an das übelbeleumdete Gerichtsverfahren gegen die Journalistin Johanna Vehkoo erinnert. [Vehkoo hat sich in einer privaten Facebook-Diskussion den Lokalpolitiker Junes Lokka einen "nazistischen Eulenspiegel" genannt, aber ihr Profil war infiltriert, so dass Lokka Anzeige gegen sie erstattete, wegen krimineller Diffamierung. Dass von allen Menschen in Finnland Lokka, ein bekannter rechtspopulistischer Agitator, so eine Anzeige zu erstatten wagte, war eine reine Frechheit: er ist ein Mann, der u.a. nach einem Gespräch mit einer Rundfunkjournalistin das Geschehene mit folgenden Worten zusammenfasste: "Da hat mich irgendeine Hure vom Rundfunk angerufen."] Am Tag der Parlamentswahlen 2011, als die Wahren Finnen ihren ersten grossen Wahlsieg erzielten, habe ich mich über die Partei mit Worten geäussert, die eine boshafte Person als Drohung interpretieren konnte, und es gibt eine Menge boshafte Leute unter den Wahren Finnen. Der Reichsstaatsanwalt (die höchste juridische Behörde in Finnland) hat Anklage überlegt, aber ich habe die Verfolgung, die die Wahren Finnen gegen mich betrieben haben, umfassend dokumentieren können.

Meine Äusserungen haben nämlich dem Strafbestand keines Verbrechens entsprochen. Ausserdem hat der Reichsstaatanwalt in seinem Beschluss festgestellt, dass die von mir eingereichten Materialien bewiesen haben, es habe "langwierige Bitterkeit" zwischen mir und "einigen anderen Blogverfassern" gegeben und meine Äusserungen seien im Zusammenhang dieser Bitterkeit zu betrachten. Der Reichsstaatsanwalt hat keine Stellung dazu genommen, wer für diese "langwierige Bitterkeit" die grösste Verantwortung zu tragen hätte. Ich fand diese Neutralität im Prinzip ungerecht, aber ich verstehe, dass es dem Reichsstaatsanwalt eben wegen der "Langwierigkeit" der Bitterkeit unmöglich war, den Schuldigen - oder Schuldigeren - zu nennen.

Trotzdem hat die extreme Rechte nicht nur meine Äusserungen als "Beweise" gegen mich in ihrer eigenen Propaganda ausgenutzt, sie haben sich auch mehr Material aus den Fingern gesogen. Die Frau des Führers der extremen Rechten hatte einen brutalen Drohbrief per E-Mail erhalten (vermutlich war der Brief selbst authentisch), und die Rechtsextremisten haben in ihren Blogs die Lüge unterbreitet, ich hätte den Brief geschrieben. Um die Geschichte plausibler zu machen, veröffentlichten sie den Brief zusammen mit der IP-Anschrift, aus der er gesendet worden war. Natürlich haben sie nicht herauszufinden versucht, wo der Server mit dieser Adresse zu finden war: in einer Stadt im äussersten Ostfinnland, nahe der russischen Grenze, während ich an der Westküste wohne und jene Stadt nie besucht habe.

Die Nachricht war ausserdem in so schlechtem Finnisch abgefasst, dass ich nie so etwas schreiben könnte, aber trotzdem haben die Rechtsextremisten behauptet, sie wäre in meinem Stil. Diese Leute beherrschen nur eine Mischung von Rowdyjargon und papierener Kanzleisprache und haben vermutlich keinen einzigen Klassiker der finnischen Literatur zeit ihres Lebens gelesen, was bedeutet, dass ihr Gutachten zu meinem Sprachgebrauch einen feuchten Kehricht wert ist.

Die Hetzkampagne, die die Rechtsextremisten gegen mich veranstaltet haben, hat schliesslich Erfolg gebracht, als ich im Jahre 2013 meinen Job als Blogger verloren habe. Seitdem habe ich keine Zeile auf Finnisch veröffentlichen dürfen, bis auf einen kleinen Band von Essays, die in Irland in finnischer Sprache erschienen ist, im selben Verlag, der auch meine irischsprachigen Bücher herausgibt. Diese Essays wurden übrigens von einem finnischen Verleger so gut wie bestellt, aber nach dem Einreichen des Manuskripts hat mir der Verleger nie geantwortet.

Eine wöchentlich erscheinende Zeitschrift hat zwar nach neuen Bloggern für ihre Webseiten gesucht, aber als ich mich beworben habe, hiess es, dass das, was ich in sozialen Medien schrieb, dem "Brand der Zeitschrift" nicht gerecht war. Ich kann mir schon vorstellen, was "das, was ich in sozialen Medien schrieb" in diesem Kontext bedeutet. Sieben Jahre Erfahrung von ebendieser Arbeit und Kenntnisse von sieben Sprachen (eigentlich mehr, wenn man nur die passiven Kenntnisse meint, die gut genug sind, um Nachrichtenquellen zu nutzen) zählten überhaupt nichts. Den Wahren Finnen war folglich gelungen, was sie mit ihren Schikanen angestrebt hatten: sie haben mich zu einer Persona non grata in allen finnischsprachigen Medien gemacht.

Jemand will mir jetzt sicher vorschlagen, mich an linke Medien zu wenden, wenn ich etwas schreiben und veröffentlichen will. Nunja, die grösste linke Zeitung in Finnland hat vor ein paar Jahren einen Artikel über die Situation der irischen (gälischen) Sprache gedruckt, aber ich wurde im Artikel nicht einmal erwähnt (obwohl ich mit Sicherheit der einzige Finne bin, der in irischer Sprache Bücher veröffentlicht und dafür bei der Prominenz der irischsprechenden Kreise in Irland schon einiges Lob geerntet hat), geschweige denn zu Rate gezogen. Wenn mir nicht gestattet ist, Artikel über ein Thema zu veröffentlichen, das ich in diesem Land bewiesenerweise besser kenne als jemand anders, und wenn ich nicht einmal in so einem Artikel erwähnt werde, kann man schon feststellen, dass ich auch in linken Medien eine Unperson bin. (In schwedischsprachigen Zeitschriften habe ich aber einiges veröffentlichen können.)

Aber bitte noch mal über das Folgende nachzudenken:

- Die Wahren Finnen sagen, sie seien patriotisch. Aber versucht jemand den traditionellen finnischen Patriotismus, den "Geist des Winterkriegs" und die Wehrfreundlichkeit zu demokratisieren und zu aktualisieren, so dass auch die ethnischen, sexuellen usw. Minderheiten als Wehrfreunde auftreten und gelten könnten, - dann wird er von denselben Wahren Finnen schikaniert und mundtot gemacht.

- Die Wahren Finnen fordern mehr Diskussion zu den Gräueltaten des Kommunismus (Filme und Bücher über den Holocaust hat dagegen ihr Führer holo-hölinä, "Holo-Quatsch", genannt). Ich habe dieses Thema vermutlich mehr zur öffentlichen Diskussion zu bringen versucht als jemand anders in Finnland (mit der Schriftstellerin Sofi Oksanen als Ausnahme), aber trotzdem haben mich die Wahren Finnen mundtot gemacht.

- Die Wahren Finnen sagen, sie wollen die nationale Kultur Finnlands fördern, aber mich, der ich in einer kulturnationalistischen Familie aufgewachsen und mich gründlich in unserer Literatur auskenne, haben sie mundtot gemacht.

- Die Wahren Finnen jammern ohne Unterlass, wie sie angeblich keine freie Meinungsäusserung besitzen, aber sie werden ebenso ununterbrochen von Medien interviewt und haben eine ansehnliche Menge Zuhörer. Dank dem finnischen Parteifinanzierungssystem können sie sich eigene Medien leisten, in denen sie andere Parteien und übrige politische Widersacher anschwärzen wie sie wollen. Gleichzeitig bin ich mit Mitteln, die (ohne Übertreibung) an die Sowjetunion der Ära Breschnew erinnern, mundtot gemacht.


- Und diese inoffizielle Zensur wird von einer finnischen Mediengesellschaft unterstützt, die ihrem Mitarbeiter jeden Arbeitsschutz verweigert, sobald er von der extremen Rechten gehänselt wird, obwohl er früher gegen linksgesinnte oder feministische Trolls durchaus verteidigt wurde.

lauantai 1. heinäkuuta 2017

Die Rolle der deutschen Sprache unter finnischen Rechtsextremisten

Die Rolle der deutschen Sprache unter finnischen Rechtsextremisten hat sich natürlich seit meinen Jugendjahren sehr verändert, besonders deshalb, weil die Sprachkenntnisse der Finnen immer einseitiger geworden sind. Im Prinzip kann es nicht mehr erwartet werden, dass ein einigermassen gebildeter Finne des Deutschen mächtig wäre. Alles war besser, als ich jung war (so sagt ja jeder Fünfzigjährige, nicht wahr?) - damals kam es durchaus oft vor, dass Leute mit Ingenieur- oder naturwissenschaftlicher Ausbildung sowohl Englisch, Schwedisch als auch eine dritte Sprache (meistens Deutsch, wie es in Finnland traditionell und üblich war) beherrschten - wenigstens gut genug, um Fach- und Sachliteratur zu lesen. Wenn man heute eine andere Sprache als Englisch sprechen und schreiben kann, wird es aber als Sonderkenntnis eingestuft - etwas Berufliches, nicht etwas Zusätzliches. Wer in Finnland Deutsch spricht, ist Germanist oder deutscher Abstammung, und wer Ingenieur ist, spricht kein Deutsch, wenn er nicht deutscher Abstammung ist.

In den siebziger Jahren, als ich noch Kind war, haben die meisten jungen Finnen die ersten deutschen Vokabeln aus ursprünglich englischen Kriegscomics gelernt, die bei uns unter dem Titel "Korkeajännitys" erschienen. Soweit ich weiss, hiessen die ursprünglichen englischen Comichefte so etwas wie "Commando", aber ich muss zugeben, dass ich nicht besonders vertraut mit den Hintergründen der finnischen Hefte bin. Es gab mehrere Reihen, in denen sich die Ereignisse in verschiedenen Milieus abspielten, wie etwa in der nordafrikanischen Wüste oder in der Luft, und vermutlich trugen die englischen Vorbilder dieser Reihen verschiedene Titel - die Sammelbezeichnung "Korkeajännitys" war ein Einfall des finnischen Herausgebers. (Auf der Wikipedia-Seite über "Commando" heisst es, dass es eine "Schwesterreihe" unter dem Titel "Starblazer" gab, in der es nicht um den zweiten Weltkrieg ging, sondern um Zukunftsabenteuer, Science-Fiction und Krieg gegen Ausserirdische - es war vermutlich diese Reihe, die in Finnland als "Avaruuden Korkeajännitys", d.h. Korkeajännitys des Weltalls, gedruckt wurde.)


"Korkeajännitys" ist übrigens eine Art Kalauer oder Wortspiel. Hochspannung als elektrotechnischer Begriff heisst "korkeajännite" auf Finnisch, denn das Wort für elektrische Spannung (Potentialunterschied) ist "jännite", aber das Wort für Spannung im Sinne von Nervenkitzel, thrills, lautet "jännitys". Im Volksmund erhielten die Hefte den Spitznamen "Korkkari", und "korkkarisaksa" oder Korkkari-Deutsch bezeichnet die Deutschbrocken, die in den Korkkari-Heften zu lesen waren. 


Meistens waren es natürlich nur Einzelwörter, wie das allgegenwärtige "Achtung!", aber jeder, der mehr als oberflächlich mit der Korkkari-Welt vertraut ist, erinnert sich noch wenigstens an einen vollständigen Satz, der auf den Korkkari-Seiten zu lesen gewesen ist. Da waren die englischen Helden gleich dabei, eine deutsche Wachstube zu stürmen, den Posten draussen hatten sie schon umgelegt, und die Männer, die in der Stube schliefen, waren von diesem Lärm geweckt worden. Von drinnen waren die Worte "Teufel! Was ist los?" zu hören - allen Lesern längst vertraut. Einer der Engländer, sowohl sprachbegabt wie geistesgegenwärtig, antwortete auf Deutsch (Wort für Wort zitiert): "Nichts, ich habe nur gestolpert und meine Waffe ist gefallen."


Da diese Comics englischer Machart waren, verkörperlichten sie die englische Perspektive auf den zweiten Weltkrieg. "Krauts" waren natürlich Feinde, aber eine gewisse Differenzierung von guten und schlimmen Deutschen kam durchaus vor. (In denjenigen Heftreihen, in denen Japan der Feind war, ging es viel rassistischer ab - die "Japsen" wurden meistens als roboterähnliche Killermaschinen ohne Individualität geschildert, obwohl es auch hier zuweilen Ausnahmen gab). Neben fanatischen Nazis gab es auch Berufssoldaten mit Ehrgefühl und Kriegsflieger, die sich mit englischen Kollegen solidarisierten, und zuweilen wurde auch die politische Unterdrückung von Andersdenkenden im NS-Totalitarismus thematisiert.


Aus finnischer Sicht war natürlich diese englische Perspektive problematisch. Finnland war in den Zwischenkriegsjahren sehr prodeutsch orientiert: die bourgeoisen Parteien in Finnland sahen Hitlers Machtübernahme als nationale Auferstehung Deutschlands aus den Ruinen und als Beseitigung der Versailler Schmach. Interessanterweise identifizierten sich die bourgeois stimmenden Finnen eher mit Deutschland als etwa mit Polen, dessen neue Selbständigkeit ohne diesen "Schmachfrieden" nicht möglich gewesen wäre. Man hätte erwarten können, dass mehr Leute bei uns die Ähnlichkeiten zwischen Polen und Finnland erkannt hätten - beide Staaten haben schliesslich ihre Selbständigkeit am Ende des ersten Weltkriegs oder gleich danach errungen bzw. (im Falle Polens) wiedererrungen, nach einer jahrhundertelangen Unterjochung durch ein fremdes Imperium, oder im Fall Polens mehrere Imperien (das deutsche Kaiserreich, die Donaumonarchie und das zaristische Russland - Finnland war ein autonomes Grossfürstentum des russischen Kaisers).


In der finnischen Geschichte nimmt der Bürgerkrieg den Platz des Befreiungskrieges an. In den Jahren des ersten Weltkrieges kämpften finnische Freiwillige in der kaiserlichen deutschen Armee mit, um Kriegserfahrung zu erwerben, die ihnen später, in einem künftigen Freiheitskrieg, zustatten käme. Das Kaiserreich war bereit, die finnischen "Pfadfinder", wie sie zunächst genannt wurden, zu Soldaten auszubilden, da die Selbständigkeitsbestebungen Finnlands geeignet waren, Russland - Deutschlands Widersacher im ersten Weltkrieg - von innen zu schwächen. Es war auch das Ziel der Deutschen, das künftige selbständige Finnland zu einem Satellitenstaat zu machen.


Während die Pfadfinder Krieg führen lernten, spitzten sich gesellschaftliche Konflikte in Finnland zu, und schliesslich gab es einen Bürgerkrieg zwischen der Rechten und der Linken. Wie es in ähnlichen Situationen üblich ist, wurden Gräueltaten von beiden Seiten begangen, aber mit der Unterstützung der Jägertruppen, wie sich die finnischen Freiwilligen inzwischen nannten, und deutschen Interventionstruppen unter Rüdiger von der Goltz' Führung brachten die Weissen Garden es schliesslich fertig, die Roten zu bezwingen. Die überlebenden Rotgardisten wurden in brutalen Konzentrationslagern interniert, und viele wurden hingerichtet oder starben an Hunger oder Krankheiten, aber trotzdem brachten es die Finnen bald danach fertig, eine einigermassen funktionierende demokratische Republik zu gründen, was natürlich an der starken legalistischen und konstitutionalistischen Tradition lag.


Die Geschichte des selbständigen Finnland wird gern als die Geschichte der Heilung jener Wunden gesehen, die dieser Krieg in der finnischen Volksseele hinterliess. Keine der zwei Seiten im finnischen Bürgerkrieg kann als tadellos gelten: einerseits hätte ein roter Sieg zwangsläufig zu einer Wiedervereiningung Finnlands mit dem inzwischen bolschewistischen Russland geführt, andererseits ging die Rache der Weissen an den Rotgardisten so weit, dass kaum etwas Vergleichbares in einem europäischen Land bisher stattgefunden hatte (hier muss daran erinnert werden, dass die Schrecken der grossen Totalitarismen erst ein paar Jahrzehnte später aktuell wurden). 


Gleich nach der Jahrtausendwende sah es aus, als wäre das ewige (und ewiggestrige) Gegeneinander von Weiss und Rot endlich verschwunden und überwunden. Denkste. In der Tat scheint es, dass es in Finnland immer noch zu viel Leute gibt, deren Selbstbild und Weltverständnis völlig abhängig von diesem Gegeneinander ist. Folglich begannen sie zu einem Gegenangriff zu rüsten, auf den die Wiederauflebung der radikalen Rechten in Finnland vor zehn Jahren teilweise zurückzuführen ist, obwohl da natürlich auch internationale Faktoren mitgespielt haben, wie etwa die russische Unterstützung der reaktionären Rechten im ganzen Westen.


Als die faschistoide Rechte im allgemeinen eine Renaissance erlebte, wurden auch "deutschgesinnte" Rechtsradikale stärker. Die "Deutschgesinntheit" - das heisst, die Selbstidentifizierung mit dem Nazismus und mit Nazi-Deutschland - hatte in früheren Zeiten das Wenigste zur Popularität finnischer Rechtsextremistencliquen beigetragen - eher im Gegenteil, denn die in den 90er Jahren aktive Gruppe, die sich "Der Arische Germanenbruderbund" nannte (finnisch: "Arjalainen Germaani Veljeskunta" - eigentlich wäre es korrekt gewesen, "Arjalainen Germaaniveljeskunta" zu schreiben, aber die extreme Rechte beherrscht auch in Finnland die Rechtschreibung ihrer Muttersprache schlechter als die des Englischen), wurde völlig ausgelacht. Der Status der Finnen als "Arier" war ja in der NS-Zeit kaum unangefochten, weil wir eine "östliche", finnougrische Sprache sprechen und einige finnougrische Ethnien der Sowjetunion sehr "mongolisch" aussehen. Ausserdem, wie der führende Intellektuelle der finnischen Zwanziger- und Dreissigerjahre des 20. Jahrhunderts, Olavi Paavolainen, in seinen Kriegserinnerungen erwähnte, wurden einige Aspekte unserer Volkskultur von unseren NS-deutschen Waffenbrüdern als etwas Mongolisches abgetan, so etwa die karelischen Klageweiber. (Paavolainen selbst war in Karelien aufgewachsen - die erste Sprache, die er in seiner Kindheit hörte, war Russisch, und deshalb kränkte die Einstellung der Waffenbrüder ihn persönlich. Übrigens existierte die Tradition der Klageweiber auch im deutschen Schlesien, so behauptete wenigstens Horst Bienek, über den ich einst meine Magisterarbeit geschrieben habe.)


Unter der geistigen Führung Jussi Halla-ahos, eines gelehrten Slawisten und Bloggers, der, teilweise dank seinem akademischen Prestige zu einer charismatischen Führergestalt innerhalb der extremen Rechten emporgestiegen, die bisher sehr zerstrittenen rechtsradikalen Kräfte Finnlands einte, haben sich auch deutschgesinnte Rechtsradikale zur Partei der "Wahren Finnen" angeschlossen. Ein jetzt schon ehemaliger Abgeordneter der Wahren Finnen, James Hirvisaari, hat einige deutschgesinnte Rechtsradikale eingeladen, das Parlament zu besuchen, aber sogar die Partei der Wahren Finnen fand es ein bisschen zu bunt getrieben, wie offen und unverschämt diese Besucher den Hitlergruss machten. Schliesslich ist Hirvisaari aus der Fraktion der Wahren Finnen ausgetreten, und in den nächsten Wahlen hat er die Unterstützung der Partei verloren und konnte die Wiederwahl nicht erreichen.


Hirvisaari hat sich seitdem zurückgezogen und lebt in seinem Heimatdorf Asikkala, von wo her er gelegentlich seinem Gram und seiner Verbitterung in den sozialen Medien Ausdruck gibt. Vor ein paar Jahren äusserte er sich - in deutscher Sprache - wie folgt zu den finnisch-deutschen Beziehungen:


Deutschland und Finnland sind uber [!] alles. Deutschland hat Finnland frei gemacht. Vielen Dank!


Man könnte sich ja über diese pidginisierten Deutsch-Brocken lustig machen (der arme Mensch hat ja nicht einmal das ü auf seiner Tastatur gefunden!), aber ich bevorzuge, sie ernstzunehmen und zu interpretieren. Dass Hirvisaari nur über rudimentäre Deutschkenntnisse verfügt, überrascht niemanden, denn ein typischer "deutschgesinnter" Finne kennt sich weder in der deutschen Sprache noch in der deutschen Kultur besonders gut aus. Eher sind seine Kenntnisse auf das Korkkari-Deutsch eingeschränkt - denn würde er etwas mehr von der deutschen Kultur wissen, so wäre ihm auch bekannt, wie antifaschistisch eingestellt die meisten Deutschen sind.


Stattdessen versucht er, in einer Phantasiewelt zu leben, wo Deutschland immer noch nazistisch ist und deshalb auch willens, in Finnland eine ebenfalls faschistische Gesellschaftsordnung zu errichten. In dieser Gesellschaft würde seinesgleichen dann den germanischen Oberherren als Schuhputzer dienen. Nein, nicht als Schuhputzer, sondern als Askari.


Askari bedeutet im Prinzip einen Afrikaner, der in den Kolonialtruppen des deutschen Kaisers als Soldat dient. Im Zweiten Weltkrieg aber nannten Deutsche die hilfswilligen Osteuropäer, die am Holocaust teilnahmen, "Askaris" - der rassistische Subtext sollte niemandem entgehen. 


Der Traum dieser "deutschfreundlichen" Finnen wäre es, in einem neuen Holocaust unter deutscher Führung als ebensolche Askaris mitzuwirken. Dass sie Deutsch nie über diese Brocken hinaus lernen, liegt nicht daran, dass sie unbegabt oder faul wären - Hirvisaari soll Theologie studiert haben, und ein anderer Rechtsextremist, der mit der symbolischen Verwendung von Deutschbrocken brillierte, ist Jurist. Die Sache ist die, dass diese Leute nichts von der deutschen Sprache und Kultur über diese Brocken hinaus wissen wollen, um ihre Phantasien nicht von der Wirklichkeit widerlegt zu sehen. Sie wollen sich mit der Rolle von Askaris zufriedengeben - als unterlegene Komplizen, denen es nicht vergönnt ist, die Sprache der Herrenrasse zu lernen.